| Mai 06, 2009
/ Kultur
Spielbergs Smirnoff-Scheißklamotten-Punkrockshow
(Arbeitstitel)
Anmerkung des Internetzers: Das Originaldatum dieses Artikels ist mir beim "Umheben" in eine andere Kategorie kaputtgegangen! Er ist NICHT NEU!!! Halb drei Uhr morgens. Es ist mittlerweile der Tag der deutschen Peinlichkeit. Ich bin gerade auf einem Punk-Konzert im Südring (der seit geraumer Zeit Volksschule heißt) gewesen und nutze meinen Alkoholpegel, den Abend konstruktiv Revier passieren zu lassen unter unbedingter Umgehung unnötiger Frankozismen. Es war mal wieder elektrisierend, wieviel Energie man in Musik legen kann. Boris sagt, ich soll schreiben, es war schön. Aber es war toll. Vier Bands mit Liedern von „Lilo Meier“ bis zur gelungenen Coverversion des Misfits-Klassikers „Stirb du alte Schlampe“. Weniger gelungen war die provokative USA-Haltung eines sogenannten Linken, welcher es als spontane Aktion guthieß, einem anderen Menschen, dessen Gesicht ihm nicht paßte (Originalaussage!), in selbiges unter Hinzuziehung dummer Sprüche einfach hineinzuschlagen. Wäre maßlose Arroganz ein Grund für Hausverbot, besagter Freizeit-Rambo dürfte nie wieder den Süden von innen sehen. Meines Erachtens ist es ohnehin fraglos, jemanden vor die Tür zu setzen, der mit Sätzen wie „Wenn du mich anlaberst, schlag‘ ich dir in die Fresse“ oder „Sieg Heil, Kamerad!“ provoziert. Volker futtert Chips. Natriumglutamat macht Migräne und erzeugt mitunter Taubheitsgefühle in der Nackenpartie. Ich sehe aus wie Steven Spielberg, sagt irgendwer. Jan redet nur von Pilzen und seinem Fickwunsch. Er trägt eine doofe Mütze. Ich kaufe drei Mischgetränke, ohne mich vorher über den Preis kundig gemacht zu haben. 3,50 Euro kostet mich eine Flasche von dem Zeugs und ich weiß nicht einmal, wie man Mischgetränke heute mit korrektem Vornamen anspricht. Anne, die ich Anne nennen darf, weiß es auch nicht. Schon sind wir ohne Gesprächsthema. Aber Volker schlägt „hemmungsloser Sex im Fußballstadion“ vor. Fußwas? Das war ein kurzer Smalltalk. Immerhin weiß ich jetzt, daß ich nicht Damenschneiderin werden möchte. Herrenschneiderin übrigens auch nicht, aber das ist eine andere Geschichte, die ich vielleicht ein andermal unter Verwendung des Wortes „Innungsbeste“ erzählen werde. Jan, der seinen Schuh wiedergefunden hat, zeigt sich pseudo-reuig, meine Gesprächspartnerin sexuell belästigt zu haben. Selbige lacht darüber und bietet ihm Bier an. Es war verdammt nochmal nicht einfach, die Rolle des E. T. zu besetzen. Das war keine Maske, der Typ sieht echt so aus! Mein Mischgetränk, sagt Anne, ist frauenfeindlich. Jedenfalls sei es so konzipiert, daß es mit seinem süßen Geschmack in erster Linie junge Damen anspricht und flugs abhängig macht. Frauen werden auch schneller Nikotinsüchtig, weiß ich und irgendwie komme ich auf die Riesenboviste zu sprechen, die ich als Kind immer gesammelt habe. „Duell“ hieß mein erster Film. Eine junge Punkerin findet meinen „Style“ beschissen, von den Schuhen über die Hose bis hin zu - und das allein nehme ich ihr ein bißchen übel - meiner exorbitanten Rentier-Kappe, die ich einst von einem echten Finnen erstanden habe. Schön, daß es noch Leute gibt, die den Dress-Code achten. Punkrock ist ja nach wie vor eine Sache von Äußerlichkeiten. Einstellung hört da auf, wo die Chucks anfangen. Warum wollen eigentlich nur Jungs mit mir knutschen???
(tb)
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