Kultur 3



Die akute Information, die Dir chronisch fehlt   -   Ausgabe: 7/2002

K I D - Kultur in Duisburg

FOLK YOU!

Zehn Jahre Folk Festival in Rheinhausen

Als Veteran der ersten Stunde, sozusagen, sprich als alljährlicher Folkpilger seit dem ersten Festival, könnte ich dieses Ereignis jetzt lang und breit schreiben, und wenn ich mir meine Stichwortliste so ansehe, würde mir das auch mühelos gelingen. Nur, dachte ich mir, liest das dann wieder kein Schwein, also mag ich mich lieber auf das Wichtigste konzentrieren und auch die Abbildungen (z. B. die des tierischen Fiddler’s Green Geigers) für sich sprechen lassen.

Schandmaul am TempelSeit einer Dekade erklingen im Schatten der Bergheimer Mühle nun schon folkige Klänge am Samstag nach Pfingsten; zuletzt wurden locker 8.000 Besucher gezählt. Die Creme de la Creme der deutschen und auch etliche Highlights der europäischen Folkszene gibt sich alljährlich bei gutem Wetter ein Stelldichein in Rheinhausen. Kaum eine namhafte Band aus deutschen Landen hat noch nicht im bzw. am Tempel in der Peschmannstraße gespielt. In diesem Jahr war mit Naked Raven gar eine Darbietung vom anderen Ende der Welt am Start. Die Musik der Melbourner war so unaufdringlich, so zum Zuhören angelegt, daß sie fast ein wenig verloren auf der großen Außenbühne wirkte. Ungünstig zwischen zwei Abrock-Bands plaziert, boten die Raben einen sehr schönen, durchaus klassisch inspirierten Melodienstrauß, der tapfer gegen den Geräuschpegel unterhaltungssüchtiger Festivalbesucher anblühte.

...fiedeldikreisch...Fester im Griff hatten die Münchner Powerfolker von Schandmaul ihr Publikum. In der Tradition von Subway to Sally rockten sie los, Drehleier und Heavy-Metal-Gitarre bildeten ein konträres und doch stimmiges Nebeneinander. Nur die Qualität der durchweg deutschsprachigen Lieder mag sich noch ein wenig hinter Subway to Sally verstecken, Spielfreude und Stimmung brachten die Bajuwaren allemal herüber. Da verwundert es nicht, daß Schandmaul deutscher Folk-Förderpreisträger 2000 geworden sind.

Höhepunkt und Hauptakt waren in diesem Jahr die großartigen Fiddler’s Green, die schon 8 Jahre zuvor, zu Anfang ihrer Schaffensperiode bereits kometenhaft aufsteigend, das Publikum restlos zu begeistern wußten. Von den alten Liedern ist anno 2002 nicht mehr viel geblieben, lediglich das geniale „Don’t turn away“ von der ersten CD, das Traditional „Rocky Road to Dublin“ und die letzte Zugabe „Blarny Roses“ erzeugten ein Déjà-vu mit alten Zeiten, als Mandolinen noch echte Mandolinen, Flöten noch echte Flöten und kleine pelzige Wesen von Alpha Centauri noch echte kleine pelzige Wesen von Alpha Centauri waren. Die neueren Lieder zeigten, daß die Unsitte, traditionell angehauchte Musik im Laufe der Bandentwicklung mehr und mehr mit rockigen E-Gitarren zu unterlegen, auch vor Fiddler’s Green nicht halt gemacht hat. Aber anders als etwa bei den Waltons geht die Rechnung bei den Erlangern auf, und das obwohl deren Gitarrist eine gewisse Ähnlichkeit mit Jürgen Drews nicht abstreiten kann. Originell ist die Umsetzung von Folk mit Zerrgitarre vielleicht nicht, aber wer aus der gleichen Stadt wie das JBO stammt, kommt um die harten Klänge wohl nicht herum. Sei’s drum. Eine begnadete Live-Band sind die Fiddler’s nach wie vor, was die feiernde Gemeinde vor der Bühne u. a. mit dem platzschaffenden Huckepacktanz sehr zu schätzen wußte. Spätestens beim Zugabenteil, zu dem das Publikum auf die dann ziemlich schwankende Bühne gebeten wurde (und ich hätte meinen Zopf verwettet, daß die Bühnenelemente diesen Run unmöglich aushalten können), tanzten sie alle, ausgelassen, ein freundschaftliches Miteinander. Yeah folks, that’s folk!

...und jetzt alle!!!Bei gewohnt gutem Wetter waren erneut Tausendschaften von Besuchern erschienen, die sich locker an dem Besucherrekord des Vorjahres haben messen können (nur fanden diesmal keine Zählungen statt). Für alle war mit ausreichend kulinarischen Genüssen und Getränken zu fairen Preisen gesorgt. Bis zum letzten Würstelverkäufer lief die gesamte Veranstaltung wieder ehrenamtlich über die Bühne, zur Finanzierung des Events - der Eintritt war wie immer frei - wurden zudem Spenden gesammelt. Der Überschuß ging in diesem Jahr an das Antirassistische Telefon Duisburg. Das „Büro gegen rassistische Diskriminierung“ in Hochfeld ist ein eingetragener Verein und will Anlaufstelle für alle diejenigen sein, die sich aufgrund ihrer Herkunft bei der Job- und Wohnungssuche, in der Schule oder der Freizeit schikaniert oder benachteiligt fühlen. Geholfen wird u. a. bei Konflikten mit dem Arbeitgeber, Vermieter, Nachbarn oder mit Behörden; Kontakte zu Ärzten, Rechtsanwälten und anderen Fachleuten werden hergestellt. Adresse des Vereins: Gravelottestraße 18, 47053 Duisburg. Das Antirassistische Telefon hat die Rufnummer 0203 - 9357499.

Alles Weitere unter www.folkfest.de.

(tb)

Aus dem Inhalt

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Ja, auch die Stattzeitung hat jetzt eins. Auf dass es wachsen und bald platzen möge...

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Seite 2 - 07.09.2002
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Seite 3 - 27.03.2002
Preisbewusst lesen: Neuer Buchladen in Moers

Seite 4 - 15.03.2002
Comeback für die Kriminalisierung gebärunwilliger Frauen in der EU

Kultur 1 - 03.07.2002
Kultur in Moers:
Bal(l)/-sam im /-saal

Kultur 2 - 18.06.2002
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Argonauten sind aus / Wo die Bücher tagen

Kultur 3 - 03.07.2002
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Kultur in Duisburg!?
(10 Jahre Folk Fest...)

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Die Wahlparade 2002

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Briefe an die Leser

Mörser 4 - 07.09.2002
Vize Vize Fatze - Herr Graf hält Fähnchen


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